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Udo Juergens

KONZERT Udo Jürgens

 

 

Musik als Selbsttherapie

 

 


Auf seiner Wahnsinnstour 2012 warnt der energiegeladene Entertainer vor einem „ökologischen Erdbeben“, wettert gegen das easy Denglisch und lässt sich seinen „Griechischen Wein“ schmecken. 

„Ich will der lebendige Beweis dafür sein, dass man auch im Rentenalter noch glaubhaft Popmusik verkaufen kann“, so Udo Jürgens. Rund 1000 Songs hat der gebürtige Kärntner  komponiert, 100 Millionen Tonträger verkauft, gefeierte Bühnenshows inklusive Bademantel-Ritual bestritten. Die Musik ist seit fünf Jahrzehnten Udo Jürgens’ Lebensinhalt und „Selbsttherapie“ zugleich: „Sie hilft mir Ängste zu bewältigen und Glück auszudrücken. Meinen Beruf habe ich immer als eine große Gnade empfunden. Wenn er nicht so herrlich wäre, hätte ich ihn längst an den Nagel gehängt.“
Im Hinblick auf seine Tournee 2012 bekennt der 77-Jährige: „Ich lasse heute die Dinge ohne Absicht, spontan und ohne inneren Zwang entstehen. Deshalb bin ich wohl auch eine Spur authentischer geworden. Früher war ich sicherlich noch mehr Taktiker, heute höre ich viel mehr in mich hinein.“
Auf seiner CD „Der ganz normale Wahnsinn“ propagiert der Sänger, Komponist und Autor „das grüne Gedankengut für die Zukunft unseres Planeten“ und spricht sich in „Alles ist so easy“ gegen die Flut von Amerikanismen und Anglizismen im Deutschen
aus – ein Plädoyer für seine Muttersprache: „Eine Sprache mit Ecken und Kanten, in der man sich mit der Präzision eines Slalomfahrers ausdrücken kann, der sich elegant um die Stangen schlängelt“. 
Sicherlich wird der Charmeur auch auf Stimmungsgaranten
wie „Aber bitte mit Sahne“, „Griechischer Wein“ und „Ich war noch niemals in New York“ nicht verzichten. Anzunehmen ist auch, dass die Damen ihm wieder rote Rosen zuwerfen und er sein rotes Einstecktuch in die Menge schleudert. A.M.

Udo Jürgens. Der ganz normale Wahnsinn – Tour 2012, 28. Februar 2012 und 27. Oktober 2012, jeweils 20 Uhr, Olympiahalle.

 

 

Aschermittwoch Kabarett POLITISCHES KABARETT Aschermittwoch 2012





Selbsternannte Retter der bayerischen Zukunft

Gegen den „Boandlkramer“ Horst Seehofer wollen sie wettern, sich den CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt zur Brust nehmen und dem Pianisten Peter Ramsauer neue Flötentöne beibringen – die Kabarettisten Christian Springer, Ottfried Fischer, Simone Solga, Helmut Schleich und Martin Großmann. 

„Thematisch spielen uns die Politiker in die Hände“, sagt Christian Springer („Fonsi“) bei der Pressekonferenz in der Philharmonie: „Dobrindt will die Linke verbieten, aber damit wird er nicht durchkommen.“ Auch auf Ramsauer haben hat es das kabarettistische Quintett abgesehen, seines Zeichens nicht nur Verkehrsminister, sondern auch Pianist. Man werde also auf  jeden Fall „aktuell reagieren“, sagt Springer und fügt hinzu: „Wir sind aber keine Handlanger der Schlagzeilen“. Ein hehres Ziel hat er: „Wir müssen die Zukunft Bayerns retten“. Denn: „Seehofer wird zum Boandlkramer, er gräbt unter anderem den Gauweiler wieder aus.“ Betreffend des Überraschungsgastes macht er nur eine kleine Andeutung: „Er war schon mal in Bayern.“ Und es wird mehr Musik als früher geben. „Dann müssen wir nicht so viel Text lernen“, meint Ottfried Fischer grinsend. Und aus Erfahrung weiß er: „Auch wenn man sich vornimmt keine Pointe zu machen, man ist nie sicher, dass es nicht doch eine wird.“ A.M.

Aschermittwoch 2012, Schluss mit lustig! Die Kabarettisten schlagen zurück. Mit Christian Springer, Ottfried Fischer, Simone Solga, Helmut Schleich, Martin Großmann, Musik: Die Heimatlosen mit Prof. Claus Reichstaller (Trompete), Leo Gmelch (Tuba),Christian Ludwig Mayer (Akkordeon), César Granados (Percussion), die ZiehGäuner, Sauglocknläutn.
22. Februar 2012, Philharmonie im Gasteig, 20 Uhr. Nähere Informationen unter wwww.musikerlebnis.de 


 

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David Garrett

KONZERTE David Garrett




Tontreffer über den Wolken


Vom gegängelten Wunderknaben zum „größten Violinisten seiner Generation“ (Isaac Stern) avancierte David Garrett. Und wenn der Rast- und Ruhelose nicht gerade Konzerte gibt, komponiert er im Flugzeug oder Auto.

Musiker ist er geworden, weil er es ohne seine Stradivari nicht aushalten könnte. Zwischen München, Miami und anderen Metropolen jettet der Blondzopf mit Dreitagebart hin und her. Was braucht der Gänsehaut-Geiger eigentlich für den schöpferischen Akt? Eine Tasse Tee? Ein Bier? „Naja, ein paar Gläser Wein sind schon manchmal nicht schlecht“, räumt David grinsend ein: „Aber ob man am nächsten Tag mit dem Ergebnis zufrieden ist, ist fraglich.“ Ruhe sei das A und O – ob im Auto oder Flugzeug, egal. Aus seinem Hut zaubert er AC/DC genauso wie Bach, springt zwischen Metallicas „Nothing Else Matters“, Bernsteins „Somewhere“ sowie Tschaikowsky und Mendelssohn hin und her – das bescherte ihm haufenweise Gold- und Platin-Auszeichnungen.
Mit der DEAG hat der Echo-Preisträger vereinbart, bis Ende 2016 zunächst 100 Konzerte zu geben. Es ist der höchstdotierte Vertrag, der je mit einem Klassik-Solisten abgeschlossen worden sei, so die DEAG Deutsche Entertainment Aktiengesellschaft. Eine Summe wurde nicht genannt. Zunächst 100 Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie Tourneen werden den übervollen Kalender des Zauberers auf der Geige in den kommenden Jahren noch mehr zupflastern.
Weil die Fans sich die Karten für seine Rock Anthems-Tour aus den Händen rissen, gab er weitere Termine bekannt, unter anderem den 21. November 2012 in München. Mit spektakulärer Show und brandneuem Programm wird David Garrett mit „Rock Anthems“ 2012 zusammen mit seiner Band und großem Orchester die Hallen und Arenen der Republik rocken.„Rock Anthems ist die größte und aufwändigste Show, die die DEAG Classics je produziert hat“, so Prof. Peter Schwenkow, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Entertainment AG. Zudem gibt es im Mai auch wieder rein Klassisches vom Meister zusammen mit dem Pianist Julien Quentin auf der „Recital“ Tour zu hören.

David Garrett Rock Anthems 2012, 14. April 2012, Olympiahalle 20 Uhr, 21. November 2012, Olympiahalle, 20 Uhr. David Garrett – Recital 2012, 9. Mai 2012, Philharmonie

 



Mark Mast

KOOPERATION Bayerische Philharmonie und Restaurant 181

Neue Heimat über den Dächern von München


Mark Mast strebt nach Höherem, Otto Koch will nicht nur die Geschmacksnerven, sondern auch die Ohren der Gäste in seinem Restaurant 181 verwöhnen. Der Intendant der Bayerischen Philharmonie und der Sterne-Koch veranstalten ab Mai 2012 „Classic Lunches“ und ab Juli 2012 „Vier-Jahreszeiten-Galas“ im Olympiaturm.

Einige der Gäste äußern sich noch skeptisch über die zu erwartende Akustik, als sie den Raum auf 181 Meter Höhe betreten. Doch kaum hat das Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie Astor Piazzollas „Winter“ („Vier Jahreszeiten“) gespielt, nicken sie zufrieden. Und auch Mark Mast stellt fest: „Es funktioniert.“
Erst zehn Tage vor dem Konzert hat sich die polyglotte Truppe erstmals getroffen. Aus Polen, Schottland, Japan, Korea und zehn weiteren Nationen stammen die 19 Musiker – darunter die 14-jährige Solistin Hani Song, die seit ihrem dritten Lebensjahr Violine spielt. „Für jedes Projekt wird die Gruppe individuell zusammengestellt“, erklärt Mast.
Sie treten unter anderem im Prinzregententheater, im Cuvilliés-Theater und im Herkulessaal auf. Einen eigenen Konzertsaal besitzen sie nicht. Deshalb ernannte Mark Mast das Olympia-Restaurant zur neuen „Homebase“, sozusagen als Vorab-Geschenk zum 18. Geburtstag der Bayerischen Philharmonie im Dezember: „Künftig wird das hier unser Platz für die besonderen Momente sein.“
In kleiner Besetzung ist die internationale Crew immer mittwochs bei den „Classic Lunches“ zu hören. Sie positioniert sich im Eingangsbereich vor dem Aufzug. Mast: „Die Drehrestaurant-Gäste fahren dann sozusagen an ihnen vorbei.“ Bei den „Vier-Jahreszeiten-Galas“ sitzen die Gäste dann rund um das Kammerorchester herum, ehe sie sich zum Dinner an die Tische begeben. A.M.
 

„Vier-Jahreszeiten-Gala“ mit dem Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie unter Mark Mast im Restaurant 181 im Olympiaturm bei Otto Koch, 11. Juli und 14. November 2012.
„Classic Lunch“, 2.,9., 16. und 23. Mai, 13., 20. und 27. Juni, 4., 11., 18. und 25. Juli, 10., 17. und 24. Oktober, 7., 14., 21. und 28. November sowie 5l, 12. und 19. Dezember 2012. Buchung unter  unter www.restaurant181.com. Nähere Informationen unter www.bayerische-philharmonie.de.

 

 

Daniel Barenboim

KONZERT Daniel Barenboim


„Musik ist das Bedürfnis gleich zu denken und zu musizieren“


Der mehrfach ausgezeichnete Dirigent und sein West-Eastern Divan Orchestra kommen im Juli 2012 erstmals nach München. Im Gepäck haben die israelischen, arabischen und spanischen Musiker Beethovens „Pastorale“ und seine Siebte. 

Eines muss Daniel Barenboim gleich zu Beginn der Pressekonferenz in der Philharmonie klarstellen: „Das West-Eastern Divan Orchestra ist kein politisches Projekt.“ Und überhaupt werde „der israelisch-palästinensische Konflikt nicht richtig verstanden, er ist nämlich kein politischer. Er ist ein Konflikt zwischen zwei Völkern, die beide zutiefst davon überzeugt sind, das Recht zu haben auf dem gleichen Stück Land zu leben.“ Die Lösung sei ein Zusammenleben „Seite an Seite“, nicht „Rücken an Rücken“: „Ich bin stolz darauf, dass ich die israelische und palästinensische Staatsbürgerschaft besitze“, so der  gebürtige Argentinier, der als Zehnjähriger mit seinen Eltern nach Israel zog.
1999 gründete der Musiker von Weltruf das West-Eastern Divan Orchestra in der Goethestadt Weimar gemeinsam mit Edward Said, dem palästinensischen Literaturwissenschaftler und Goethe-Verehrer. Der Name des Orchesters ist eine Hommage an Goethes für die Entwicklung des Begriffs der Weltkultur so entscheidende Gedichtsammlung West-östlicher Divan. Vor dreizehn Jahren haben sechzig Prozent der Musiker erstmals in einem Orchester gespielt. „Doch die Entwicklung ging spiralförmig nach oben, heute haben wir ein sehr hohes Niveau erreicht“, verkündet der Maestro. Kein Wunder, motiviert er sie doch bei Proben auch mal mit den Worten „Ich schenke Euch Blumen, ich lade Euch zum Dinner ein.“
Einmal im Jahr treffen sie sich in Sevilla, dem Sitz des Orchesters, zu einem großen Workshop. Gemeinsam studieren die Juden, Christen und Moslems neue Werke ein – und reden natürlich über die Auseinandersetzungen in der Heimat. Auch wenn es dabei mal kracht, sie lernen einander zuzuhören. „Zu Hause haben sie vielleicht nur den Hass auf den anderen gespürt. Doch wenn sie stundenlang zusammen proben, verändert sich etwas in der gegenseitigen Betrachtung. Musik ist das Bedürfnis gleich zu denken und zu musizieren“, betont Barenboim, für den das Orchester eine „Lebensaufgabe“ ist. 
Weil es immer schwieriger wird, Nachwuchs zu finden, der mit dem West-Eastern Divan Orchestra mithalten kann, rief er ein zweites Newcomer-Orchester ins Leben. Zudem eröffnet der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper 2014 in Berlin ein als „Ort für die Weiterentwicklung“ gedachtes Institut für junge israelische, arabische und deutsche Musiker.
Konzerte führten die Truppe bisher unter anderem in die Berliner Philharmonie, das Teatro alla Scala in Mailand, den Musikverein in Wien, die Carnegie Hall in New York, zu den Salzburger Festspielen sowie auch nach Ramallah. Im Mai 2012 reisen sie zum dritten Mal nach Katar. In diesem Jahr tourt das Orchester mit Beethoven durch Europa, den Auftakt bildet das Münchner Konzert, zu den Höhepunkten zählt die Aufführung aller neun Symphonien bei den BBC Proms in London. Barenboim: „Beethoven war immer schon der Schlüssel für das Orchester, denn seine Musik ist universell, sie spricht zu den Menschen überall auf der Welt.“ A.M.

Konzert: West-Eastern Divan Orchestra, Daniel Barenboim, Leitung, Beethoven, Symphonie Nr. 6 F-Dur op. 68 „Pastorale“ und Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92, 10. Juli 2012, Philharmonie, 20 Uhr. www.muenchenmusik.de
5-CD-Box „Beethoven for All. Symphonies 1-9“ (Live-Aufnahme in der Kölner Philharmonie im August 2011) erscheint im Juni 2012

 

 

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Laura Pausini

KONZERT Laura Pausini




Schöne Liebesbeschwörerin

 

 


Die Schöne verwandelt im Wonnemonat den Circus Krone in eine Arena  di Amore. Aufgrund der großen Nachfrage gibt Laura Pausini ein Zusatzkonzert in München, der „nördlichsten Stadt Italiens“.

Ihre Stimme garantiert wundersamste Verzauberung: Und selbst wer keinen „Italienisch für Anfänger“-Kurs absolviert hat, erfühlt die Bedeutung von „Volare, cantare“, dem Strandparty-Renner, den sie zusammen mit Eros Ramazzotti 2006 in San Remo sang, dem Ort, an dem sie dreizehn Jahre zuvor beim Festival den ersten Preis ergatterte. Auch Betörungen à la „Sei solo tu“ (Duett mit Nek) sind leicht zu verstehen. Außerdem sang sie zusammen mit Luciano Pavarotti, Andrea Bocelli („Dare to live / Vivere“), Celine Dion und und und. Zwei Jahre Laura-Abstinenz konnten ihre Fans nur schwer ertragen.
Ihre Tonträger gehen weg wie Eiskugeln an einem Sehnsüchte schürenden Sommertag. Mehr als 45 Millionen hat die international bekannte Künstlerin bis dato verkauft. Sie war die erste Italienerin, die jemals einen Grammy erhielt, mittlerweile hat sie vier davon.
Nun tourt die in Faenze geborene Ragazza mit ihrer CD „Inedito“ durch Deutschland. Ihr mittlerweile elftes Album erschien im November. Laura Pausini schrieb nicht nur alle Songs, sondern war auch an der Produktion beteiligt.  A.M.

Laura Pausini, 10. und 11. Mai 2012, Circus Krone

 


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MKO Liebreich

KONZERTSAISON Münchener Kammerorchester / 2011/2012 Ostwärts


Die Kraft des Tigers



Nach Osteuropa, an die amerikanische Ostküste und nach Asien zieht es das Münchener Kammerorchester musikalisch in der kommenden Saison. Von der bahnbrechenden Energie des Ostens anstecken lassen sich bei ihren Gastspielen unter anderem die Sopranistin Simone Kermes und der Bratscher Nils Mönkemeyer.

Zehn Prozent mehr Abonnenten als im Vorjahr lockte das Münchener Kammerorchester (MKO) in der Saison 2010/2011 in das Prinzregententheater. Damit nicht genug: Ein Schuldenberg lastet nicht mehr auf den Musikern. Seit Ende vergangenen Jahres ist das Orchester komplett schuldenfrei, das verkündete der MKO-Chef Alexander Liebreich bei der Jahrespressekonferenz.
Tourneen führten seine Truppe unter anderem nach Taiwan, Hongkong und Peking. Und weil es den gebürtigen Regensburger als Künstlerischen Leiter des Tongyeong International Music Festivals in Südkorea immer wieder ins Land der aufgehenden Sonne, in das Reich der Mitte und in die südostasiatischen Tigerstaaten zieht, weiß er: „Da ist eine Entwicklung zu sehen, die geradezu nach vorne bricht, das ist eine Energie, die wir auch hier in Europa spüren. Die Komponistenschwemme und der Hunger des Publikums nach Neuem ist unglaublich.“
Die Japaner Toshio Hosokawa und Dai Fujikura ergatterten zwei  MKO-Kompositionsaufträge – die anderen gingen an Helena Tulve aus Estland, den Armenier Tigran Mansurian und den Tschechen Miroslaw Srnka.
Auf dem Programm der Abonnementkonzerte stehen unter anderem Mozarts „Requiem“, Beethovens Siebte sowie die „Pulcinella“-Suite von Stravinsky, dessen „musikalische Kraft“ Liebreich sehr verehrt. Drei Kammermusiknächte stellen Liebreich und Johan Simons auf die Beine – der Dirigent und der Intendant der Münchner Kammerspiele kennen sich bereits aus Holland. „Ich wollte unbedingt ein Crossover-Programm in München machen, meine Zuschauer sind es ja gewohnt Schauspieler auf der Bühne zu sehen, wenn jetzt Musiker auftauchen, entstehen in ihren Köpfen sicherlich neue spannende Geschichten“, so Simons bei der Pressekonferenz. Einige der MKO-Konzerte finden bewusst ohne Dirigent statt – so reist Konzertmeister Daniel Giglberger beispielsweise mit seinen Kollegen im Juni nach Südamerika. „Wir sind ein kleines Orchester und müssen uns daher aus dem Inneren heraus entwickeln“, so Giglberger: „Alle haben bei uns einen Anteil an der musikalischen Ausrichtung.“ A.M.

5.Abonnementkonzert, 8. März 2012, 20 Uhr, Prinzregententheater
Tabea Zimmermann, Leitung und Viola
Sándor Veress, VVier transsylvanische Tänze (1944)
Alfred Schnittke, Monolog für Viola und Streicher (1989)
Mark Kopytman, Kaddish für Viola und Streichorchester (1981)
Béla Bartók, Divertimento (1939)
Konzerteinführung: 19.10 Uhr, Prinzregententheater
Das Konzert wird vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten.

 

 

OKeeffe

AUSSTELLUNG Hypo-Kunsthalle / Georgia O' Keeffee. Leben und Werk 



„Ich habe viel Glück gehabt“

Sie beeinflusste nachfolgende Generationen und machte sich für die Emanzipation stark: Georgia O'Keeffee. Die Hypo-Kunsthalle gibt einen Überblick über das Werk der Amerikanerin  –  mit 75 Gemälden, Papierarbeiten und Skulpturen. Einige Ausstellungsstücke werden erstmals außerhalb des Georgia O'Keeffe Museums in Santa Fe gezeigt.

Die Münchner haben die Wiener überflügelt, mit dieser guten Nachricht eröffnet die Direktorin Christiane Lange die Pressekonferenz. Mit „Dürer – Cranach – Holbein. Das deutsche Porträt um 1500“ lockte die Hypo-Kunsthalle 145.000 Besucher an und erzielte damit einen besseren Wert als das Kunsthistorische Museum in Wien.
München ist nach Rom die zweite Station der „Süd-Nord-Tournee“ von Georgia O'Keeffe, es folgt das Helsinki City Art Museum. Die Arbeiten der vor 26 Jahren verstorbenen Künstlerin begleiten 50 Fotografien von Arnold Newman, Paul Strand und Alfred Stieglitz – O' Keeffes Ehemann und
 „größter Bewunderer“, wie die Kuratorin Barbara Buhler Lynes betont. Und er habe Georgia als ihr Galerist natürlich so manche Tür geöffnet, aber „Ihre Leistung hat sie dann trotzdem selbst unter Beweis gestellt.“
Die Kuratorin des Georgia O'Keeffee Museums und Herausgeberin des Werkverzeichnisses hat die Retrospektive über mehrere Jahre erarbeitet. „In Amerika ist sie eine der wichtigsten Ikonen“, so Buhler Lynes. Um sich dessen zu vergewissern, hat sie auch New Yorker Taxifahrer befragt. Und siehe da – die meisten kannten Georgia O'Keeffe.
Alle Werkphasen präsentiert die Hypo-Kunsthalle – von den ersten abstrakten Arbeiten bis hin zu ihren großformatigen Spätwerken. In den Zwanzigern revolutionierte O'Keeffe die traditionelle Blumenmalerei, schuf großformatige Blütenbilder, zeigte sie aus extremer Nahsicht – wie durch eine Lupe gesehen. Ihr Werk veranschaulicht die Loslösung der amerikanischen Kunst von der Tradition Europas. Ihr Leben verdeutlicht die Emanzipation der Künstlerinnen, als Mitglied der National Woman's Party setzte sie sich für die Gleichberechtigung der Frau ein. Neun Jahre vor ihrem Tod erklärte Georgia O'Keeffe, dass sie „viel Glück“ gehabt habe, „sehr viel mehr als die meisten Menschen … Ich kann mir gut vorstellen, dass ich künstlerisch viel besser hätte sein können, ohne dass mir jemand Beachtung geschenkt hätte … Manche Menschen scheinen einfach mehr Glück zu haben als andere. Ich weiß auch nicht, vielleicht liegt es daran, dass ich immer zugegriffen habe, wenn etwas in meine Reichweite kam, das ich haben wollte.“ A.M.  

Bis 13. Mai 2012 in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, täglich 10 bis 20 Uhr (Faschingsdienstag nur bis 14 Uhr), nähere Informationen unter www.hypo-kunsthalle.de.

 

 

Haus der Kunst AUSSTELLUNGEN
Haus der Kunst / Jahresvorschau 2012



Der neue Glanz des „globalen Museums“


75 / 20: Das Haus der Kunst feiert dieses Jahr ein Doppel-Jubiläum: 1937 wurde es eröffnet – als Propaganda-Instrument und Beispiel für die Kulturpolitik der Nazis. Zugleich blickt das Museum zurück auf zwei Jahrzehnte als Stiftung Haus der Kunst München, gemeinnnützige Betriebsgesellschaft mbH. Gezeigt werden heuer unter anderem Werke, die zwischen 1937 und 1955 im Haus der Kunst hingen.

„Jeder Künstler sieht im Haus der Kunst besser aus als irgendwo sonst auf der Welt“, sagt der Museumsdirektor Okwui Enwezor bei der Pressekonferenz und lacht. Für ihn ist das Haus der Kunst im wahrsten Sinne ein Haus „für Künstler und deren Erfahrungen“ , das betont der 49-Jährige. Dem Münchner Publikum ist der gebürtige Nigerianer seit 2001 bekannt: Mit „The Short Century. Unabhängigkeits- und Befreiungsbewegungen in Afrika 1945-1994“ in der Villa Stuck bot er den bis dahin umfassendsten Überblick über das spät- und postkoloniale Kunstschaffen in Afrika.
Nun hat er es sich zum Ziel gesetzt, im Haus der Kunst das Programm künstlerisch zu stärken, die öffentlichen und die Bildungsangebote zu erweitern und eine Forschungsinstitution als neuen Eckpfeiler des „globalen“ Museums zu etablieren.
Auch architektonisch legt er Hand an: Sein Vorgänger Chris Dercon befreite die Räume von den zahlreichen nachträglichen Einbauten der Nachkriegszeit, ließ die weiße Farbe abtragen, unter der die Marmorsäulen der Mittelhalle verborgen waren. Enwezor geht einen Schritt weiter, lässt die Innenarchitektur noch sichtbarer werden. Das Foyer erhält ein neues Gesicht – mit zwei einander gegenüberstehenden Wänden und einem langen Informations- und Kassentisch und die Mittelhalle soll sich – von ihren bodenlangen Vorhängen befreit – zur öffentlichen zentralen Plaza wandeln. Zudem wird an der Fassade das neue Logo installiert.

Mit der Aufarbeitung seiner Vergangenheit beschäftigt sich das Haus seit 1995 systematisch. Bisher galt die Recherche primär der Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs. Nun nimmt das „reflexive Museum“ (Enwezor) die Jahre 1937 bis 1955 ins Visier. Bis Kriegsende diente der neoklassische Tempel als Ort für die Kunstpolitik der Nazis. Von 1945 bis 1948 nutzte ihn die amerikanische Militärregierung als Offizierscasino. Von 1949 bis 1955 etablierte sich das Museum dann als ein Hort nationaler und internationaler Kunst und Kultur und der von den Nazis verfemten Moderne. Die für die Ausstellung „75 / 20 Haus der Kunst“ (10. Juni 2012 bis 13. Januar 2013) ausgewählten Werke präsentieren die Breite des Spektrums: Sie wurden zwischen 1937 und 1955 im Haus der Kunst gezeigt.  A.M.

Weitere Ausstellungen 2012: Wilhelm Sasnal (3. Februar bis 13. Mai 2012), Thomas Ruff (17. Februar bis 20. Mai 2012), Klang und Stille. Sammlung Goetz im Haus der Kunst (13. April bis 9. September 2012), Janet Cardiff & Georges Bures Miller. Werke aus der Sammlung Goetz (13.April bis 8. Juli 2012), Bild-Gegen-Bild (10. Juni bis 16. September 2012), Ends of the Earth, Art of the Landbis 1974 (12. Oktober 2012 bis 20. Januar 2013), ECM – Eine kulturelle Archäologie (23. November 2012 bis 10. Februar 2013).  www.hausderkunst.de (neuer Auftritt ab Mitte Februar 2012).

 

 

Egon Schiele AUSSTELLUNG Kunstbau / Egon Schiele: „Das unrettbare Ich“ – Werke aus der Albertina





Bange Seelenschmerzen


Nach 22 Jahren findet erstmals wieder eine Schiele-Schau in der Landeshauptstadt statt. Der Kunstbau präsentiert 120 Werke und zehn Gedichte – als Hommage an Thannhauser und Goltz, die vor 100 Jahren die Bilder des Österreichers zeigten.

„Ein ewiges Träumen voll süssestem Lebensüberschuss – rastlos, – mit bangen Schmerzen innen, in der Seele“, schrieb Egon Schiele in „Ein Selbstbildnis“ 1910. In seinem kurzen Leben von 28 Jahren hat sich der zu den wichtigsten Vertretern des „Österreichischen Expressionismus“ zählende Schiele mehr als 170 Mal selbst dargestellt. Seine Bilder zeigen nicht nur, dass das Ich unbeständig ist, sondern auch den Versuch, das Ich neu zu definieren. Im Werk des 1890 im österreichischen Tulln geborenen Künstlers tritt Identität immer als offene Frage auf.
Aquarelle und Zeichnungen aus dem Bestand der Wiener Albertina – der weltweit bedeutendsten Sammlung von Schieles Werken auf Papier – folgt keiner Chronologie, sondern vielmehr „formalen Zusammenhängen“, wie Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder bei der Pressekonferenz betonte. „Diese geistige Klammer führt zu einer wunderbaren Erhellung, das habe ich so noch nie gesehen“, lobte Schröder. So hängen beispielsweise Blumenbilder aus dem Jahre 1910 neben einem sieben Jahre später entstandenen Porträt von Edith Schiele. „Die wunderbare Verbindung ergibt sich durch die florale Haartracht“, so Schröder. Überhaupt seien Schieles Zeichnungen „keine Vorarbeiten, sondern eigenständige Kunstwerke.“ Lenbachhaus-Direktor Helmut Friedel pflichtete ihm bei und würdigte die „Spontanität und Direktheit“, die sich noch eher in den Arbeiten auf Papier als in den Gemälden offenbare. Und die Kuratorin Helena Pereña will in der Ausstellung das „Bild, dass Schiele ein Außenseiter war“ zurechtrücken: „Er hat immer seinen Horizont erweitert, war offen und hat Kontakte zu anderen Künstlern gesucht.“
Allerdings verließ Schiele seine Heimat nur selten. Doch in München stellte er bei der Secession aus und schloss sich 1911 der Gruppe „Sema“ an, zu der Paul Klee und Alfred Kubin gehörten. In diesem Rahmen wurde 1912 ein Selbstbildnis Schieles in der „Modernen Galerie Heinrich Thannhauser“ ausgestellt. Und am 15. Februar 1912 eröffnete die Münchner Kunsthandlung „Neue Kunst Hans Goltz“ die erste Einzelausstellung Schieles außerhalb Österreichs. Nur drei Tage zuvor hatte dort ebenfalls die zweite Schau des „Blauen Reiter“ begonnen. In seinem Notizbuch vermerkte Schiele die Namen der Künstler, die Eindruck auf ihn gemacht hatten: Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee und Wassily Kandinsky. „Auch Franz Marcs Werke hat er sehr geschätzt“, so Friedel. Schiele wollte eine gemeinsame Ausstellung mit dem „Blauen Reiter“ organisieren, mehr noch: „Er wollte zur Gruppe dazugehören“, sagte Friedel: „Aber es war ihm nicht vergönnt. Gründe für die Ablehnung waren seine expressive Beschäftigung mit dem Körper und der große Altersunterschied zu den Mitgliedern.“ A.M. 

Bis 4. März 2012  im Kunstbau im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Königsplatz. Dienstag bis Sonntag und Feiertage 10 bis 18 Uhr. Nähere Informationen zum Programm unter www.lenbachhaus.de.

 
Zettl Herfurth und Herbig  

WELTPREMIERE Zettl




Wer die Moral hat, hat die Qual





 

Beim Schaulaufen auf dem roten Teppich vor dem Mathäser Filmpalast verrät Helmut Dietl, warum sich sein Hund in München wohler fühlt als in Berlin. Bully erzählt, von wem er als Kind schamlos ausgebeutet wurde und Ulrich Tukur findet: „Berufspolitiker zu sein, das wäre das Letzte.“ 

„Die Achse München und Berlin ist unschlagbar“, meint Helmut Dietl. Dabei denkt der Regisseur in diesem Moment aber weniger an die Filmstandorte, sondern vielmehr an die Örtchen für seinen Hund. Der wedelt wahrlich nicht mit dem Schwanz, wenn er mit Herrchen Helmut in der Hauptstadt unterwegs ist. „Da kann er nicht einfach auf die Grünanlagen scheißen, das ist dort nicht erlaubt. Mein Hund will aber einfach runtergehen und scheißen“, betont Dietl. Sein Geplauder kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er angespannt ist vor der Premiere. Immerhin hat er heftige Kritikerschelte einstecken müssen. 
Grünen-Chefin Claudia Roth huscht auf dem Weg zum Kinosaal an ihm vorbei und ruft den Journalisten zu: „Mal sehen, ob er es schafft in seinem Film die politische Realität zu toppen, das wird nicht leicht.“ Dieter Hildebrandt ist wie bereits in „Kir Royal“ wieder knipsend unterwegs, diesmal im Rollstuhl. Die mit Mikros bewaffnete Meute erinnert der Kabarettist daran, dass „die Serie Kir Royal erst nach einiger Zeit zum Kult wurde. Wenn es also schiefgeht, kann es noch besser werden.“
In dem Ränkespiel rund ums Regierungsviertel verstecken politische Ehrgeizlinge den toten Kanzler (Götz George) tiefgekühlt in einer Klinik, die Bürgermeisterin (Dagmar Manzel) – eigentlich ein Mann, dann umoperiert zur Frau, – wird flugs zur Mutter des kometenhaft aufsteigenden Journalisten Max Zettl (Michael Bully Herbig), Talkshowtante Jacky Timmendorf (Sunnyi Melles) schleppt junge Typen ab und so weiter und so fort. Karoline Herfurth – im Film Zettls Gespielin – sieht's gelassen, denn: „Die Aufgabe der Politiker ist es nicht vornehmlich moralisch zu sein.“
Auch der über den Läufer schlendernde Ulrich Tukur – Zettls stinkreicher Chef – nimmt keinen Zettel vor den Mund: „Politiker zu sein, das wäre das Letzte. Aber Euren Beruf könnte ich auch nicht ausüben“, sagt er zur schreibenden Zunft, hat aber dann doch noch einen Trost parat: „Wichtig ist es, dass man Dinge macht, die einem etwas bedeuten.“ Auf Millionen ist der international erfolgreiche Schauspieler nicht erpicht, gibt sich genügsam: „Ich habe eine tolle Frau, eine schöne Wohnung und ein Klavier.“  Die Zusammenarbeit mit Dietl nahm Tukur gelassen. Sie war „summa summarum ein großes Vergnügen. Er ist halt kein unkomplizierter Mensch, aber das kenne ich von Peter Zadek und Dieter Wedel.“
An den „ausgearbeiteten Dialogen“ hatte Bully seinen Spaß: „Das war ein Glücksfall.“ Dass man auch Pech bei der Jobwahl haben kann, daraus macht er keinen Hehl: „Meine Großeltern waren Schlüsselanhänger-Dealer. Als ich klein war, habe ich Schlüsselanhänger für sie angefertigt, heute würde man dazu Kinderarbeit sagen. Ich habe zwei Mark dafür bekommen, da habe ich mich schon über den Tisch gezogen gefühlt.“ A.M.

Claudia Roth
Ulrich Tukur
Sunnyi Melles

 

 

GEWINNSPIELE

3 x 2 KINOFREIKARTEN
für „Zettl“ zu gewinnen. Einlösbar bis 14. März 2012 in jedem Kino, das diesen Film im regulären Programm zeigt. 
Frage: Welche Rolle spielt Senta Berger in „Zettl“?  Bitte senden Sie Ihren Lösungsvorschlag bis zum 24. Februar 2012 an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de. Die Karten werden unter den Einsendungen mit der richtigen Lösung verlost.
Buch Zettl
3 x das BUCH „Zettl. Unschlagbar charakterlos“ von Helmut Dietl und Benjamin von Struckrad-Barre (Verlag Kiepenheuer & Witsch) zu gewinnen. Frage: Wer von den „Zettl“- Darstellern spielte bereits in „Kir Royal“ mit? Bitte senden Sie Ihren Lösungsvorschlag bis zum 24. Februar 2012 an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de. Die Bücher  werden unter den Einsendungen mit der richtigen Lösung verlost.

Mit zwei Bekenntnissen wartet Helmut Dietl im Vorwort auf: 1. Er sieht nicht gerne Filme. 2. Er macht ungern Filme. Seinen „Zettl“ hat der Regisseur in „verschiedenen Stadien der Fertigstellung immer und immer wieder mit jeweils wechselnden Gefühlszuständen von Hass und Abneigung bis hin zu Liebe und lodernder Leidenschaft gesehen.“
Im Prolog können die Kinozuschauer nochmals nachlesen, was im Film rasch erzählt wird – während Zeichentrickfiguren über die Stadtpläne von München und Berlin huschen. Bullys und Senta Bergers Bayerisch und Karoline Herfurths Berlinerisch gibt’s dann im Drehbuch nochmals in Schriftform – zum Nachlesen für Menschen, die dieser Dialekte nicht mächtig sind. Und die Szenen sind im umfangreichen Bildteil des Buches festgehalten – die ideale Ergänzung zum Filmbesuch.   


 

 

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www.lindtchocoladenclub.de



 

Filmpreis
AUSZEICHNUNG Bayerischer Filmpreis 2011





Hilfreiche Rückenschmerzen
und heilsame Nahrungsaufnahme

 

Wim Wenders verrät bei der Verleihung im Prinzregententheater, was ihm Sorge bereitet, Doris Dörrie erzählt, wann sie sich verknallte und welcher Film ihr als Kind Angst einflößte und Senta Berger stößt einen tiefen Seufzer aus, als sie auf ihre Schauspielkarriere angesprochen wird.


Im zweiten Teil erfahren Sie, wem Elmar Wepper Schimpfwörter beibrachte und welche Krimis Horst Seehofer auswendig kennt. >>>



 

Bettina Mittendorfer

INTERVIEW mit Bettina Mittendorfer, die den Bayerischen Filmpreis 2011 für ihre Rolle in Eine ganz heiße Nummer erhielt


„Ich bin ganz leicht aus dem Lot zu bringen“



Interview: Aleksandra Majzlic


Was sie im Sexshop unbeachtet in den Regalen liegen lässt, was ihre Eltern und ihre Kinder von ihrem Job halten und warum sie aus der Kirche ausgetreten ist, das verrät die als Entdeckung gefeierte Schauspielerin („Sommer in Orange“) im Gespräch.

Im zweiten Teil erfahren Sie, was Bettina Mittendorfer von Vibratoren und Dildos hält und wer zu ihr „Du musst ganz viel beten, sonst bist Du verloren“ sagte. >>>



 

 

Senta Berger

AUSZEICHNUNG Kultureller Ehrenpreis der Stadt München


 

„Senta, Du bist ein Gesamtkunstwerk“

 

Bei der Verleihung im Alten Rathaus liefert die Preisträgerin Senta Berger die wienerische Übersetzung für „Hinterfotzigkeit“ und erzählt, in welcher schwierigen Situation ihr Helmut Fischer einst half. Und Laudator Christian Ude verrät, warum die Schauspielerin auf dem Viktualienmarkt beleidigt wurde.

Bei der ersten Laudatio, die Christian Ude vor Jahren auf die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin hielt, fragte er sie noch, was er denn sagen solle. Senta Bergers Empfehlung lautete damals: „Ich bin kein guter Mensch, sondern klein und dumm.“ Deshalb verzichtete das Stadtoberhaupt diesmal klugerweise auf ein Briefing.
Ohne Skrupel packt er bei seiner Rede aus, wie Senta Berger auf seine Nachricht der Jury-Entscheidung reagierte. „Unaufgeräumt, unaufmerksam und hysterisch warst Du“, sagt er und schiebt schnell den Grund dafür nach: „Der Zeitpunkt meines Anrufs war ja auch denkbar ungünstig, es wurde gerade eine Autoverfolgungsjagd gedreht, wie Du mir mitgeteilt hast.“
Dann würdigt der Oberbürgermeister die „liebe Senta“ als eine „wunderschön anzusehende Frau“, deren Rollen sich durch „hohe Sensibilität, Verletzlichkeit und Intellektualität“ auszeichnen. „Von Deiner Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen wird heute noch geschwärmt und Deine Rolle in ,Kir Royal’ wurde Kult.“ Etliche Größen zählt er auf, mit denen Senta Berger schon zusammengearbeitet hat, darunter Ehemann Michael Verhoeven sowie Volker Schlöndorff, Bernhard Wicki, Wim Wenders, Alain Delon und Marcello Mastroianni. Damit nicht genug: Während ihrer Hollywood-Phase von 1963 bis 1969 stand sie neben Kirk Douglas, Frank Sinatra und John Wayne vor der Kamera. 
Unaufhörlich prasselt Udes Lorbeerregen auf die Wahl-Münchnerin nieder: „Wenn Luxusmarken in Showrooms präsentiert werden oder Champagnerempfänge gegeben werden ist eins sicher: Senta Berger ist nicht da. Das ist sensationell und unbegreiflich. Denn die ganze Filmbranche ist der festen Überzeugung, dass man ohne Präsenz furchtbar schnell der Bedeutungslosigkeit zum Opfer fällt. Doch Dir ist nichts heilig, keine Regel der High Society.“ Dann verrät der Rathauschef, dass Senta Berger auf dem Viktualienmarkt einst als „rote Hure“ beschimpft wurde. Und das nur, weil die Willy-Brandt-Verehrerin als „Wählerin an die Öffentlichkeit“ gegangen ist. Stolz lobt sie der SPD-Politiker mit den Worten: „Du bist ein Gesamtkunstwerk, ein politisch engagiertes.“

Senta Berger mit Familie

Im Familientross ist die 70-Jährige erschienen: mit Michael Verhoeven, Sohn Simon (Foto unten) sowie Sohn Luca mit Ehefrau Stephanie (Foto links) und Sohn Patrice.
Ein wenig „erschrocken“ sei sie gewesen, als sie von der Ehrung erfahren habe, bekennt die Lobgepriesene: „Habe ich die Kultur, die ich in der Stadt aufgesogen habe weitergegeben?“ Dann bekennt die gebürtige Wienerin: „München ist mir am nächsten.“


Eine sekundenlange Pause legt sie ein, lächelt und fügt hinzu: „Nach Wien. Das werden Sie verstehen. Denn Wien bleibt eben Wien.“
Sie kritisiert: „Wie ist es möglich, dass es hier kein Kaffeehaus gibt?“ Gleichzeitig schwärmt sie von der „Hinterfotzigkeit Münchens. In Wien sagt man dazu Gemütlichkeit.“ Mit der ihr fremden Sprache hatte die Österreicherin, die „wegen der Liebe“ an die Isar zog, so ihre Mühe. Erst musste sie lernen, das „V“ im Namen „Karl Valentin“ richtig auszusprechen, dann erteilte ihr Gatte Michael noch Bayerisch-Unterricht bei den Dreharbeiten zu seiner TV-Serie „Die schnelle Gerdi“. Dass sie statt „Chance“ „Schaaas“ sagte sollte, wollte ihr partout nicht einleuchten. Sie fragte beim Kollegen Helmut Fischer nach, der bestätigte die Korrektheit des Dialekts und meinte: „Ja, mei, beim Bayerischen darfst nicht so wehleidig sein.“ Aleksandra Majzlic

 

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Gaby Dohm

INTERVIEW mit Gaby Dohm


 

„Es gibt selten wirklich gute Komödien“

Mit welchen „platt erzählten“ TV-Geschichten das Publikum für dumm verkauft wird, warum eine „Menge guter Sendungen“ nicht gesehen werden und was sie an ihrer Rolle in der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ reizt, das verrät die Schauspielerin („Die Schwarzwaldklinik“) im Interview mit Aleksandra Majzlic.  


Im zweiten Teil lesen Sie, was für Gaby Dohm eine gute Komödie ausmacht, was Nonnen ihrer Meinung nach Kraft gibt und worüber sie sich keine Gedanken machen muss. >>>

 

 

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Familie Well

THEATER Münchner Kammerspiele / Fein sein, beinander bleibn

 

Heidenspaß mit der Nonnentrompete



Erstmals seit ihrer Kindheit singen, spielen, dichten, jodeln, schuhplatteln und zoffen sich die sechs Geschwister Well in einem gemeinsamen Bühnenprogramm. Dabei drohen sie mit „Feuer über Bayern“, blicken in Seehofers Darm und animieren Gerhard Polt dazu, ihrer Mutti die Sünden aufzuzeigen.  

Sie sind schwer im Geschäft, damit trumpfen die Wells gleich zu Beginn auf. Sie spielen auf, „wenn Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht heiraten.“ Und nach Schottland reisen sie, schließlich verpflichtet sie ihre Herkunft dazu: „Well, das ist ein Name aus dem schottischen Hochadel, aus dem verarmten“, erzählen sie. Und Christoph schnappt sich schnell einen Dudelsack – als Einstimmung auf die Tour. Natürlich weiß er auch unter anderem Harfe, Geige, Maultrommel und Hörner zu malträtieren. Höchst beeindruckend ist zudem die Instrumentenliste von Burgi, Bärbi, Moni, Karli und Michael. Und so kommen unter anderem Hackbrett, Horn, Alphorn, Nonnentrompete, Regenmacher, diverse Tuben und Brummtöpfe zum Einsatz – im ständigen Wechsel. Auf eine Dramaturgie kommt's nicht so an, bei den wilden Wortgefechten und Wettereien gegen Polit-Filz und andere Grässlichkeiten.
In einen coolen BDM-Demonstranten verwandelt sich Stofferl, als er laut ins Publikum ruft: „Für mei Milli willi weder Milliarden noch Brillanten! I will bloß an fairen Preis – für meine Plackerei, sonst hoaßts „Feuer über Bayern“, dann brennt de Staatskanzlei!“ Da meldet sie sich zu Wort, Mutter Well, die auf der Bühne wahlweise näht oder Zither spielt: „Beim BDM, da war i a dabei!“ Darauf meint Stofferl lachend: „Du wirst doch wohl kaum beim Bundesverband Deutscher Milchviehhalter gewesen sein.“
Dann kommt noch Gerhard Polt als Nikolaus auf die Bühne und liest der 91-Jährigen ihr Sündenregister vor – 15 Geburten gehen auf ihr Konto. Er zeigt sich entsetzt und mahnt: „Dass mir das nicht noch einmal vorkommt.“ Dann widmet das frotzelnde Sextett Seehofer ein Lied über seinen Darm, darin heißt es: „da Ober-Stress, da wachst da Söder, mein fränkischer Abszess.“ Und: „Da Raumsauer, wie ein Zeck, den wennst moi hast, bringst nimmer weg.“ Auch das Publikum bringen die Sechs nicht mehr weg aus dem Saal – zu mehreren Zugaben werden sie genötigt. Und zum Schluss brabbelt Polt noch Arabisch.

Fein sein, beinander bleibn. Ein Hausmusikabend mit den Geschwistern Well, Schauspielhaus, nächste Termine: 25. und 28. Februar 2012. Für die Regie haben sich die Geschwister Well, kurz vor ihrem 50-jährigen Bühnenjubiläum, mit Franz Wittenbrink zusammengetan, der selbst aus einer 13 Kinder-Familie stammt und mit seiner Regensburger Domspatzen-Vergangenheit reichlich Hausmusikerfahrung mitbringt.

 

 

Candide THEATER Residenztheater / Candide oder Der Optimismus



Gärtner aus Liebe


Auf einen sämtliche Illusionen raubenden Trip schickt Regisseurin Friederike Heller den leichtgläubigen Helden von Voltaires „Candide“. Der 1759 veröffentlichte Roman ist ein satirisch gewürzter Angriff auf den Leibnizschen Lehrsatz, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben. Das Werk landete erst in Genf, dann in Paris und Rom auf dem Index, dennoch verbreitete es sich schnell in Europa.


Kunterbunte Schüsseln, Schaufeln und andere Utensilien hat Sabine Kohlstedt an dünnen Fäden aufgehängt. Sie baumeln über den Köpfen der Darsteller. In diesem Plastikparadies turteln Candide (Sebastian Blomberg) und Cunégonde (Hanna Scheibe). Prompt lässt der Vater des Mädchens, seines Zeichens Barons von Thunder-ten-tronckh, den tumben Taugenichts aus dem Schloss werfen.
Fortan beginnt Candides Odyssee durch Bulgarien, Lissabon, Paraguay, El Dorado etc. Hinter ihm toben blutige Schlachten, dargestellt auf Fotos auf einer Leinwand, dazu rockt die Band Kante. Und Candide ist mittendrin, statt nur dabei, wird verprügelt und an den Füßen aufgehängt. An seiner Seite: der optimistische, wirklichkeitsfern daherredende Lehrer Pangloss (Jörg Ratje).

Sebastian Blomberg spielt ihn eindringlich, den Naiven, bald Ernüchterten, der alle Leiden stoisch erträgt, wild entschlossen um seine Liebe kämpft und dabei sogar zwei Widersacher umlegt. Die anderen Darsteller sind dazu verurteilt, die meiste Zeit auf Stühlen zu sitzen, herumzulaufen und den Fortgang der Romanhandlung zu erzählen. Michele Cuciuffo zieht lediglich minutenlang als ungestüm tanzender, feuriger Don Fernando die Blicke der Zuschauer auf sich. Und Elisabeth Schwarz darf als Papsttochter in fortgeschrittenem Alter ihr Leben Revue passieren lassen.

Alles mündet dann schließlich in der Moral von der Geschicht: „Wir müssen unseren Garten bestellen“, will heißen: sich mit Freunden der Arbeit zu widmen, um so aller Unbillen zum Trotz das Leben lebenswert zu gestalten. A.M.

 
Candide, Residenztheater, nächste Termine: 21. Februar 2012 sowie 9., 15., 22. und 31. März 2012. Nähere Informationen zum gesamten Programm unter www.residenztheater.de

 

 

Das weite Land

THEATER Residenztheater / Das weite Land

 

Leere Lust und Ehefrust


Mit einer starbesetzten Inszenierung des vor hundert Jahren uraufgeführten Stücks von Arthur Schnitzler läutete der neue Resi-Intendant Martin Kušej seine erste Spielzeit ein.

Seine Schauspielerriege lässt Regisseur Martin Kušej im Regen stehen. In Schwarz gewandet treten sie vor einem Wasservorhang auf. Aus dem Off sind Passagen aus Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ zu hören. Die Vermutung, dass es sich hier um eine Beerdigung handelt liegt nahe. Doch die im ersten Akt diskutierte Bestattung des Pianisten Korsakow kann es nicht sein. Denn Juliane Köhler nimmt in der Rolle der Genia, der Fast-Geliebten des Selbstmörders, daran nicht teil. Sie taucht aber im Prolog auf.
So ist der düstere Anfang wohl eher ein Ausblick darauf, was den Zuschauer auf der Erkundungsreise durch das weite Land der Seele erwartet: Es geht um Selbstbefreiung und Selbstaufgabe, Lüge und Wahrheit, Alleinsein und Auseinanderleben. Seelische Abgründe tun sich auf zwischen wie Trauerweiden herabhängenden Palmenbüscheln. Zwistigkeiten werden ausgetragen – auch auf dem Tennisplatz, der für das Publikum nicht sichtbar ist. Dass es dort aber ordentlich zur Sache geht, erkennt man daran, dass die Spieler abgekämpft und mit von oben bis unten (von Blut oder Tennissand?) besudelten Klamotten nach dem Match wieder auftauchen.
Den gewichtigen Dialog, in dem Friedrich Hofreiter (Tobias Moretti) seiner Gattin Genia (Juliane Köhler) die Tugend vorhält, die „einen Menschen in den Tod getrieben hat“ gibt’s gleich doppelt – einmal nur mit den beiden auf der Bühne, das zweite Mal umringt von den anderen Darstellern, die regungslos wie Schaufensterpuppen dastehen. Dafür verzichtet Martin Kušej im dritten Akt auf die Szene mit den locker parlierenden Hotelgästen. Das ist schade, denn in Schnitzlers erfolgreichstem Stück geht es nicht nur um Tiefenpsychologisches, sondern auch um lockere, mit witzigen Dialogen aufwartende Plaudereien.
Herausragend agiert Juliane Köhler als überlegen wirkende Genia, die jedes Tête-à-Tête ihres treulosen Gatten stoisch zu ertragen scheint und ihn gerade dadurch herabwürdigt. Markus Hering brilliert als kluger Freund von Hofreiter und Eva Mattes als lebenserfahrene Mimin.
Und Tobias Moretti spielt ihn wunderbar, den Fabrikanten Hofreiter, der süchtig nach ewiger Jugend kein Liebesabenteuer auslässt, den „frechen, jungen Blick“ von Genias Verführer nicht aushalten kann und ihn deshalb zum Duell auffordert. Die Krönung der Aufführung ist die Schlussszene, in der Hofreiter die Maske des eiskalten Typen fallen lässt und leise wimmert, als er die Stimme seines Sohnes hört. A.M.

Das weite Land, Residenztheater. Nächste Termine: 25. Februar 2012 sowie 29. und 30. März 2012. Nähere Informationen zum gesamten Programm unter www.residenztheater.de

 

 

Hube

AUSSTELLUNG Monacensia / „Mein Kopf ist eine Bombe. Jörg Hube. Ein Künstlerleben.“


„Ich spiele alle meine Ichs –
weil ich kein eigenes hab“


Wie Jörg Hube einst seine Lehrer zur Weißglut brachte, was der vor zwei Jahren verstorbene  Münchner Schauspieler hasste und zugleich liebte und wo sein Herzkasperl das Licht der Welt erblickte – das erfahren die Besucher in der Monacensia.

„Nur geschlagene Kinder bringen es zu schlagkräftigen Erwachsenen. Das ist deutsche Tradition und deutsche Leitkultur. Seit dem Mittelalter“, sagte Jörg Hube. Weil seine alleinerziehende Mutter arbeiten musste, machte er diverse Heime unsicher, begehrte gegen Strenge und Regeln auf, provozierte Lehrer, indem er sie „Arschloch“ nannte. „Die Erziehung zur Normalität“ war für den gebürtigen Neuruppiner „die Anpassung für ein Irrenhaus.“
Neben Beschwerdebriefen von Erziehern liegen von Hubes Erben überlassene Zeugnisse, Schulhefte und Kinderzeichnungen in den Vitrinen. Jörgs Fantasie erkannte erst sein Förderer Florian Überreiter, der Leiter des gleichnamigen Privatgymnasiums. Doch er schmiss das Abi trotzdem, studierte lieber gleich am Salzburger Mozarteum und der Otto Falckenberg-Schule, die er dann von 1991 bis 1993 leitete.
Von 1973 bis Ende der Neunziger gehörte Hube fast durchgehend zum Ensemble der Kammerspiele,
2001 wechselte er mit Dieter Dorn die Straßenseite und wirkte am Bayerischen Staatsschauspiel. „Ich wollt ja immer schon Schauspieler werden. Das war meine Sehnsucht von Anfang an: Mich selbst zu verwirklichen. Wirklich ich zu werden.“ Bühnenfotos zeigen ihn als Kellner und Kuppler Pompejus Sterz in Shakespeares Komödie „Maß für Maß“ am Residenztheater oder in Brechts „Puntila und sein Knecht Matti“ in den Kammerspielen. „Ich spiele alle meine Ichs – weil ich kein eigenes hab, – und grabe doch mit allen Ichs – mein Ich nicht aus dem Grab“, dichtete der mehrfach ausgezeichnete Darsteller. „Das Theater war trotz seiner Hassliebe seine Rettung“, erläuterte die Kuratorin Eva Demmelhuber beim Presserundgang: „Er faszinierte so, weil er nie ins Leere gespielt hat, sondern immer nah ans Publikum ran.“
Die Idee zu seinem Herzkasperl-Programm kam dem Kabarettisten in den Siebzigern bei einer Hochzeit im Chiemgau. Dort schnappte er den Satz eines Gastes auf: „I krieg an Herzkasperl.“ „Der Herzkasperl ist ein Anarchist, einer der keine Bomben schmeißt, sondern dessen Kopf eine Bombe ist“, so Hube. Als „Ausweg aus der Frustration“, habe er sich für den Beruf entschieden: „Die einen werden kriminell, andere werden gleich Terroristen! Und bei wem es zu all dem nicht langt, der probiert's mit der Kunst! A.M.

Noch bis 8. Juni 2012 in der Monacensia, Maria-Theresia-Straße 23, Montag bis Mittwoch und Freitag 10.30 bis 18 Uhr, Donnerstag 10.30 bis 19 Uhr, kostenlose Führungen durch die Ausstellung, Donnerstag, jeweils um 18 Uhr (12.,19.,26. Januar 2012, 2.,9., 23. Februar 2012, 1.,8., 15., 22., 29. März 2012). www.monacensia.net

 

Buch LA
GEWINNSPIEL 

BUCH „Los Angeles – mit Hollywood durch L.A“ von Wolfgang Jahnke (Schüren Verlag) zu gewinnen. Frage: Wer spielt im Film „L.A. Crash“ Jean, die Frau des Generalstaatsanwaltes Richard Cabot? Bitte senden Sie Ihren Lösungsvorschlag bis zum 24. Februar 2012 an gewinnspiel(at)m-lifestyle.de.



Eigentlich sollte er anno 1923 nur heiß auf den Grundstückskauf machen: der Hollywood-Schriftzug. Heute thront er als L.A.-Wahrzeichen in den Hollywood-Hills. „Es gibt keinen anderen Ort, der so sehr Mythos ist, wo so viele Träume entstehen“, so David Lynch. Vor allem Filme aus den vergangenen dreißig Jahren nimmt Wolfgang Jahnke ins Visier. Sie verdeutlichen Entstehung und Veränderung des L.A.-Images. Es ist vom Luxusleben genauso geprägt wie von Bandenkriegen.



Der Film Noir prägte L.A. beispielsweise als Großstadtmoloch, mit zynischen Helden, dunklen Orten und abgründigen Krimis. Seine Gallionsfigur wurde der Privatdetektiv Philipp Marlowe, den zunächst Humphrey Bogart verkörperte. Der Sonnenschein in der Stadt des „Endless Summers“ unterstützt ein harmonisches Bild – oder täuscht dieses vor. In „Falling Down“ quält die Sonne den Amokläufer D-Fens (Michael Douglas), in „Tequila Sunrise“ ist sie kitschiger Hintergrund. Der Autor führt den Leser in seinem informativen sowie anekdotenreichen Buch auch zu den Drehschauplätzen: nach Chinatown, wo der gleichnamige Krimi-Klassiker mit dem Tod der jungen Miss Mulwray (Faye Dunaway) endet oder zum Hollywood-Boulevard mit seinem „Walk of Fame“.



 

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Thomas Mann BUCH-TIPP „Thomas Mann, der Amerikaner“ von Hans Rudolf Vaget (S. Fischer Verlag)

„Es mag Aberglaube sein, aber in meinen Augen sind Bücher, die von 1933 bis 1945 in Deutschland überhaupt gedruckt werden konnten, weniger als wertlos und nicht gut in die Hand zu nehmen. Ein Geruch von Blut und Schande haftet an ihnen. Sie sollten eingestampft werden“, so Thomas Mann am 28. September 1945. Die Aufforderung des Schriftstellers Walter von Molo, nach Deutschland zurückzukehren „zu Rat und Tat“ lehnte der Literaturnobelpreisträger mit dem Hinweis ab, dass er sich in den zwölf Jahren faschistischer Herrschaft zunehmend von seiner Heimat entfremdet habe. Kollegen, die nicht ins Exil gingen, nannte Mann „Ofenhocker“.

Die fuhren schwere verbale Geschütze auf. Das Miterleben von Brand, Hunger und Bomben habe ihn reicher an Wissen und Erleben gemacht, als wenn er „aus den Logen und Parterreplätzen des Auslands“ der deutschen Tragödie zuschaut hätte, konterte Frank Thieß. Es ging den Autoren der inneren Emigration ordentlich gegen den Strich, dass ihr Widersacher 1949 gleich doppelt ausgezeichnet wurde – mit dem Goethe-Nationalpreis in Weimar und dem Goethe-Preis in Frankfurt am Main.

Das umfangreiche, mit zahlreichen Fotos versehene Sachbuch von Hans Rudolf Vaget lässt auf detailreiche und bemerkenswerte Weise die vierzehn Jahre Thomas Mann im amerikanischen Exil Revue passieren – basierend auf neuen und bisher unbekannten Zeugnissen und in seinem amerikanischen Kontext. Dabei ist Vagets Sprache nie wissenschaftlich dröge, sondern facettenreich. Ein größeres Kapitel widmet der Professor of German Studies and Comparative Literature am Smith College (Northampton, Massachusetts) Präsident Roosevelt, den der gebürtige Lübecker dreimal traf sowie Manns ordentlich über Vitamin B verfügende Freundin Agnes Meyer, mit der sich Vaget schon vor dieser Publikation beschäftigte. Für die Edition des Briefwechsels Thomas Manns und Agnes E. Meyers wurde ihm die Thomas-Mann-Medaille verliehen.
Außerdem erläutert der Autor, dass der Schriftsteller in den USA vor allem davon profitierte, dass er sich sukzessive eine außerdeutsche Sichtweise auf Deutschland aneignete. Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass Thomas Mann nicht auf den American Way of Living – wie Golf oder amerikanische Musik –   abfuhr. Dennoch ließ er sich auf seine neue Station ein, „weniger aus intellektueller Neugierde oder aus angeborener Zuneigung zu Land und Leuten“, wie Vaget schreibt: „Er tat es aus der von der Geschichte verhängten Notwendigkeit, sich mit der Macht zu verbinden, die am ehesten in der Lage war, der Herrschaft Hitlers in Deutschland ein Ende zu bereiten.“

Biermann
BUCH-TIPP „Fliegen mit fremden Feder. Nachdichtungen und Adaptionen“ von Wolf Biermann (Hoffmann und Campe Verlag).


Als „Sammelsurium aus Erlesenem und Erhörtem“ bezeichnet Wolf Biermann sein Werk im Vorwort. Dann fügt der gebürtige Hamburger noch eine kurze Lektion in Plattdeutsch hinzu. In „Sammelsurium“ stecke das plattdeutsche Wort für „sauer, ulkig latinisiert: surium. Ursprünglich: eine pikant-bekömmliche Mischung verschiedener Küchenreste.“ Seine Frau Pamela habe dieses „Sammelsurium endlich zusammengekocht, abgeschmeckt und aufgetischt.“
Das Ergebnis: ein  wunderbar mundendes Menü, das nicht nur auf üppige Hauptgerichte, sondern auch auf delikate Beilagen setzt. Unbekanntes steht neben Bekanntem unter anderem von Shakespeare, William Butler Yeats, Harry Belafonte, e.e. cummings, Dylan Thomas, Bob Dylan Jizchak Katzenelson, George Brassens, Guillaume Apollinaire, Paul Verlaine und Arthur Rimbaud.

Zu den klug ausgewählten Texten hat Biermann hier und da handschriftlich den Refrain unter die Notenlinien gezeichnet und einige der Gedichte auch mit Bemerkungen versehen. So steht neben dem Gedicht von Mordechaj Gebirtig mit dem Titel „Es brennt, Brüder, es brennt“: „sein populärstes Lied. Ich lief durch seinen Kiez Kazimierz in Krakau. An der Tür des Miethauses eine Bronze-Platte: der Tischler und Liederdichter als Halbrelief. Dort wurde er von einem Hitler-Soldaten im Vorbeigehen erschossen, 1942. Dieses „Es brennt“ schrieb Mordechaj Gebirtig schon vor dem Einmarsch der Deutschen, als sich Juden 1938 gegen ein Pogrom wehrten.“ Darin heißt es: „Und ihr steht und glotzt und windet hilflos eure Händ / Und ihr steht und seht und tut nichts – unser Schtetl brennt.“

Mutige Menschen

 

BUCH-TIPP „Mutige Menschen. Frauen und Männer mit Zivilcourage“, herausgegeben von Ulrich Kühne (Elisabeth Sandmann Verlag).

„Ich selbst habe erlebt, was mutige Menschen ausrichten können“, schreibt Joachim Gauck im Vorwort. „Noch etwas sehr Wichtiges habe ich 1989 gelernt: Mut kann ansteckend sein“ so
der ehemalige Bürgerrechtler und langjährige Chef der Stasi-Unterlagenbehörde (Gauck-Behörde). Für seine Autobiografie „Winter im Sommer – Frühling im Herbst“ erhielt er den Geschwister-Scholl-Preis 2010 von der Stadt München und dem Bayerischen Landesverband des Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Der 1980 erstmals vergebene und mit 10.000 Euro dotierte Literaturpreis erinnert an die 1943 von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer Sophie und Hans Scholl – für Gauck die „Ikonen des Widerstands“. „Jeder ist verantwortlich für das , was er geschehen läßt“, heißt es in einem Flugblatt der „Weißen Rose“.

Die reich bebilderte, überarbeitete Ausgabe des erfolgreichen Werkes würdigte auf wunderbare Weise bekannte Persönlichkeiten, die in Gefahrensituationen Haltung bewiesen: So forderte die Politikerin Clara Zetkin im August 1914: „Der Krieg steht vor der Tür. Treiben wir ihn in die Nacht zurück.“ Der Schriftsteller Kurt Tucholsky wagte im Oktober 1930 einen „Blick in ferne Zukunft“: „Es kommt nicht darauf an, daß der Staat lebe – es kommt darauf an, daß der Mensch lebe.“ Und Marlene Dietrich, in den Sechzigern in Deutschland als „Vaterlandsverräterin“ angefeindet und erst posthum als Ehrenbürgerin Berlins gewürdigt, sagte: „Zu Beginn ist es die Unschuld, die Mut erzeugt, später der pure Optimismus.“ Ulrich Kühne stellt aber auch Unbekannte vor, die entschlossen ihre Meinung vertreten – wie die Schüler Saithan und Sinan, die gegen Zwangsheirat protestieren.
Der Verlag wird aus dem Verkaufserlös 10.000 Euro für den Verein „Gegen Vergessen  – Für Demokratie e.V.“ spenden, deren Vorsitzender Joachim Gauck ist.

 

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