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Juedische Gemeinde

BERICHT




Erinnerungen bewahren






Warum das Münchner Café Zelig als Begegnungsraum für Schoah-Überlebende von unschätzbarem Wert ist und was Alice Brauner besonders an ihrem Vater Artur Brauner schätzte, erfuhr das Publikum bei zwei Veranstaltungen im Jüdischen Gemeindezentrum in München.

Wenn die Schoah-Überlebenden gemeinsam ihre Stimmen erheben, Lieder singen, die sie an ihre Jugend, ihre Heimat und ihr Leid erinnern, sind das die besonders bewegenden Szenen in Tanja Cummings´ Dokumentarfilm „Das Zelig“, der im Jüdischen Gemeindezentrum in München vorgeführt wurde (weitere Aufführungen: 24. Oktober 2021, 11 Uhr im NS-Dokumentationszentrum sowie 27. Oktober 2021, 19 Uhr im Kino Monopol).
Der Film ist eine Hommage an das Café Zelig der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Initiator und klinischer Leiter dieses seit fünf Jahren bestehenden wunderbaren Begegnungsortes für Schoah-Überlebende ist der Psychoanalytiker Dr. Joram Ronel. Eine sozialpädagische Fachkraft kümmert sich um die Hochbetagten.
Das Wort „Zelig“ geht auf das jiddische Wort für „gesegnet“ zurück, spielt aber auch auf Gefühle von Heimat, Zugehörigkeit und Leichtigkeit an. Jede Woche kommen die Senioren im Café Zelig zusammen. Einige von ihnen erzählen von dem Schrecklichen, das ihnen einst widerfahren ist. Andere schweigen und hören zu; doch manchmal können sie es kaum ertragen vom Trauma ihrer Tischnachbarn zu erfahren. Zu den seelischen Belastungen der Überlebenden kommen häufig auch finanzielle Schwierigkeiten. Die psychischen und wirtschaftlichen Einschränkungen führen oft dazu, dass sich die Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben zurückziehen und vereinsamen. Dem will das Café Zelig entgegenwirken.
Tanja Cummings traf ihre Protagonisten für den Dreh auch in deren Wohnungen und begleitete sie an Orte in Polen, die für ihr Leben bestimmend sind. Zudem kommen Nachkommen der Schoah-Überlebenden zu Wort. Bewegend ist der Film unter anderem auch, weil er zeigt, wie lebensbejahrend und voller Energie die Zeligs trotz ihrer dramatischen Geschichte sind: Sie lachen, feiern und tanzen zusammen.
https://www.ikg-m.de/soziales-und-integration/sozialabteilung/das-cafe-zelig/
Um Lebensfreude und tiefe Emotionen geht es auch in Alice Brauners Buch „Also dann in Berlin …. Artur und Maria Brauner – Eine Geschichte vom Überleben, von großem Kino und der Macht der Liebe“. Die Filmproduzentin stellte ihren Bestseller im Jüdischen Gemeindezentrum in München vor. Lieder, die ihre Eltern nicht nur liebten, sondern auch gern selbst sangen, präsentierten die Enkelin der Brauners sowie die Chansonsängerin Vivian Kanner, begleitet vom Akkordeonisten Maxim Shagaev.
Alice Brauners Familiengeschichte ist unter anderem eingebettet in die jüdische Geschichte und  Verfolgungsgeschichte und basiert auch auf Erlebnissen, die Alices Großvater aufgeschrieben hat. Zudem geht die Historikerin Alice Brauner auf den deutschen Wiederaufbau ein sowie auf die europäische Filmindustrie, die ihr Vater als einer der größten Filmproduzenten Europas mitprägte.
Das Publikum bekam auch mit, wie Artur und Maria die NS-Zeit überlebten, sich nach dem Krieg in Stettin kennenlernten und Artur seiner Angebeteten Maria zum Abschied „Also dann in Berlin…“ zurief.
Die Schoah wurde zum Lebensthema, das Artur Brauner immer wieder aufgriff – von seinem ersten Film „Morituri“ bis zu „Die Spaziergängerin von Sanssouci“, dem letzten Film mit Romy Schneider. Mit ihrem Buch will Alice Brauner ihren „Jahrhundert-Eltern ein Denkmal setzen“, wie sie bei der Lesung sagte. Von Artur Brauner schwärmte sie als „tollstem Vater“ 2019 starb er, Alices Film „Crescendo #makemusicnotwar“ hat er noch sehen können. Sein Urteil: „Leider gut.“ A.M.




Neunter November TIPP
BUCH „Der 9. November. Die Deutschen und ihr Schicksalstag“ von Wolfgang Niess (Verlag C.H. Beck).

Der 9. November 1938 steht „für den unvergleichlichen Bruch der Zivilisation, für den Absturz Deutschlands in die Barbarei“ und der 9. November 1989 gilt als „der glücklichste Tag der Deutschen“, so Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 9. November 2018.
Der Historiker Wolfgang Niess erzählt in seinem höchst lesenswerten Buch kenntnis- und detailreich die Geschichte des 9. November – beginnend mit dem Jahr 1918. Und er verfolgt die  Spur des 9. November durch das 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart, beschreibt den Kampf um die Erinnerung.


    

Auch die Ausrufung der Republik 1918 sowie der Hitler-Putsch 1923 sind mit dem 9. November verbunden. Am 9. November 2020 sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass „wir Deutsche“ an diesem Tag „an das Schlimmste und Beste in unserer Geschichte“ erinnern. Und Steinmeier sprach über den Antisemitismus in Deutschland. Es beschäme ihn, dass sich Juden mit einer Kippa auf den Straßen hierzulande nicht sicher fühlten und dass jüdische Gebetshäuser geschützt werden müssten.

 

 

 

Diagnose Judenhass
TIPP
BUCH
„Diagnose: Judenhass. Die Wiederkehr einer deutschen Krankheit“ von Eva Gruberová und Helmut Zeller (Verlag C.H. Beck).

Wie erleben Juden den Antisemitismus? Wie setzen sie sich dagegen zur Wehr? Das und vieles mehr wollte das Autorenpaar Gruberová und Zeller von seinen Interviewpartnern wissen und reiste dafür landauf und -ab. Viele der Protagonisten klären Nichtjuden über jüdisches Leben auf und machen sich stark für einen interreligiösen Dialog.

Im Jüdischen Gemeindezentrum in München stellte das Autorenpaar sein nicht nur dieser Tage  wichtiges oder mehr noch unentbehrliches Buch vor.
Wer sich nicht dem Antisemitismusvorwurf aussetzen will, sucht neue Wege seinen Judenhass zu artikulieren: Nach 1945 bedeutend wurde der sekundäre oder Schuldabwehr-Antisemitismus. Diese Judenfeindschaft nicht trotz, sondern wegen Auschwitz ist so Gruberová – auch „in Schulen weit verbreitet“. Zudem befassten sich die Autoren mit dem israelbezogenen Antisemitismus. Den Vorwurf, dass ein großer Teil der deutschen Print- und elektronischen Medien einseitig über Israel und den israelisch-palästinensischen Konflikt berichte, hörten sie auf ihrer Rechercherreise immer wieder.
„Die Israelkritik ist als zentrales Problem in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden“, konstatierte Helmut Zeller bei der Lesung und fügte hinzu: „Jüdische Schüler werden auch von Lehrern aufgefordert, sich für israelische Politik zu rechtfertigen.“ Um die Absurdität des Begriffes „Israelkritik“ zu verdeutlichen, ziehen die Autoren im Buch eine Parallele zu Deutschland: Wie wäre wohl die öffentliche Reaktion, wenn man im Zuge einer Kritik an Merkels Politik von  „Deutschlandkritik“ sprechen würde?

 

 

Queen TIPP
BUCH „Elizabeth II. Das Leben der Queen“ von Thomas Kielinger (Verlag C.H. Beck).

Als Vierzehnjährige tröstete sie 1940 in ihrer ersten Radioansprache die Kinder, die damals kriegsbedingt von ihren Eltern getrennt und in Sicherheit waren. Heute blickt Queen Elizabeth II. auf 70 Jahre auf dem Thron zurück. Einzigartig ist ihr Platin-Jubiläum in der Geschichte, damit schlägt sie sogar die frühere Spitzenreiterin Victoria. Außerhalb Großbritanniens verfolgt man besonders in Deutschland das Leben von Her Majesty the Queen, staunt über die Farbpalette ihrer Hüte, schmunzelt, wenn sie „not amused“ ist, regt sich darüber auf, wenn der Palastsegen bei den Windsors schief hängt. – Thomas Kielinger verrät in seiner königlichen Hommage an die britische Monarchin unter anderem, wie little Elizabeth zum Medienstar avancierte. Und er beschreibt den Zauber ihrer starken Liebe zu Prinz Philip.



 

 

 


 

 

 


 
 
Buch Majzlic Mut zum Protest  

TIPP
BUCH „Mut zum Protest. Erfahrungen von DDR-Zeitzeugen“ von Aleksandra Majzlic (zu Klampen Verlag, www.zuklampen.de).

Zeitzeugen erzählen von ihrer einstigen Rebellion gegen das DDR-Unrechtsregime und ihrem unermüdlichen Einsatz für die Aufarbeitung der Diktatur.


Bereits lange vor dem Mauerfall opponierten DDR-Bürger gegen die Willkür und Gewalt in ihrem Staat. Aleksandra Majzlic hat einige dieser Zeitzeugen interviewt bzw. porträtiert. Ihre Schilderungen zeugen von der Möglichkeit und vom Mut des Einzelnen, sich gegen Anpassung und Willfährigkeit zu entscheiden und Widerstand zu leisten. Die Protagonisten berichten, wie sie für ihre Überzeugungen einstanden und was sie erreicht haben. Und sie enthüllen erschütternde Details eines grausamen Überwachungs- und Unterdrückungssystems.
Die Porträtierten stehen beispielhaft für jene, die 1989 den politischen Wandel im Osten Deutschlands durchgesetzt haben. In den persönlichen Erfahrungen und Reflexionen dieser Menschen wird die DDR-Geschichte und deren Aufarbeitung konkret. Mit seinem ehemaligen Stasivernehmer, DDR-Juristen und Spitzeln setzte sich Gilbert Furian auseinander. Monika Lembke erzählt in Schulen von ihrem Kampf für ihre Ausreise. Über sein Leben als Homosexueller in der DDR und seine gescheiterte Flucht berichtete Mario Röllig in den USA und in Russland. Und die Berlinerin Katrin Behr unterstützt Menschen, die in der DDR zwangsadoptiert wurden – wie sie selbst.
„Ich finde es wichtig, dass Aleksandra Majzlic bekannte, aber vor allem auch weniger bekannte mutige Menschen in diesem Buch präsentiert. Diese Menschen boten den Oberen in der DDR die Stirn und beteiligen sich heute an der Aufarbeitung, indem sie schildern, wie die DDR wirklich war und wozu ihre Diener fähig waren", so Katrin Sass im Vorwort.





Koepplinger

ANKÜNDIGUNG
THEATER



Mann tut was Frau kann


In der Spielzeit 2021/2022 präsentiert das Gärtnerplatztheater unter anderem „Die Fledermaus“ in der Inszenierung des Staatsintendanten Josef E. Köpplinger, die Uraufführung der Ballettoper „Amors Fest“ von Karl Alfred Schreiner sowie die Europäische Erstaufführung des Musicals „Tootsie“. 

Mit neun Premieren, darunter zwei Uraufführungen und einer europäische Erstaufführung wartet das Gärtnerplatztheater in der kommenden Spielzeit auf. Tickets für alle Vorstellungen vom 18. September bis 31. Oktober 2021 sind im vorgezogenen Vorverkauf ab 19. Juli erhältlich.
Als erste Premiere steht am 14. Oktober die Uraufführung der Ballettoper „Amors Fest“ von Karl Alfred Schreiner mit Musik von André Campra, Matthew Locke, Claudio Monteverdi und Sebastián Durón auf dem Programm. Es folgen mit „Das Medium“ von Gian Carlo Menotti und „Anna Bolena“ von Gaetano Donizetti zwei Werke, die bereits im Live-Stream ausgestrahlt wurden und nun ihre Premiere vor Publikum feiern können. Am 27. Januar wird die Premiere von Jaques Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ in der Inszenierung von Allround-Künstler Stefano Poda zu sehen sein, dessen umjubelte „Tosca“ ebenfalls in dieser Spielzeit wieder auf dem Spielplan des Gärtnerplatztheaters zu finden ist.
Nach der skandalumtosten Münchner Erstaufführung im Jahr 1928 ist Ernst Kreneks „Jonny spielt auf“ in der Inszenierung von Peter Lund am 11. März wieder zurück im Gärtnerplatztheater. Der Komponist bildete in seiner „Zeitoper“ die seinerzeitige Moderne ab und protestierte gleichzeitig gegen sie. Die Operetten-Premiere „Die Fledermaus“ von Johann Strauss in der Inszenierung von Josef E. Köpplinger entsteht in Kooperation mit dem Teatro del Maggio Musicale Fiorentino in Florenz und wird ab 7. April in München aufgeführt. Für die ursprünglich bereits im Mai 2020 vorgesehene Ballett-Uraufführung „Der Sturm“ konnte Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner die Choreografin Ina Christel Johannessen gewinnen. Die derzeit zu den innovativsten Tanzschaffenden Skandinaviens zählende Norwegerin hat sich zum Ziel gesetzt, Shakespeares letztes Meisterwerk „The Tempest“ in Kontrast zur heutigen Konsumgesellschaft zu setzen. Die Premiere der Kammeroper „Rita“ von Gaetano Donizetti wird im Juni 2022 in der Inszenierung von Maximilian Berling auf der Studiobühne in einer deutschen Neufassung von Kabarettist Thomas Pigor zu erleben sein.
Die letzte Premiere der Saison wird die Europäische Erstaufführung des Musicals „Tootsie“ von David Yazbek und Robert Horn sein. Die herrlich-lustige Travestiekomödie nach dem gleichnamigen, „Oscar“-prämierten Filmklassiker mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle, wird am 7. Juli in der Inszenierung von Gil Mehmert im Gärtnerplatztheater zu genießen sein.
Dieser Spaß beweist: Mann tut was Frau kann. www.gaertnerplatztheater.de


 

 

 

Schuldt
ANKÜNDIGUNG
KONZERTE
Münchener Kammerorchester
Saison 21/22 „Nachbarn“
Das MKO hat sich entschlossen, einen zweiten Blick auf das Thema „Nachbarn“ zu werfen – nicht nur, um einige wichtige Aufführungen, die durch die Pandemie verhindert wurden, nachholen zu können. Sondern auch, weil unsere Sichtweise auf unsere nächste Umgebung, in der wir notgedrungen so viel Zeit verbrachten, eine andere geworden ist. Eine thematisch wie inhaltlich „benachbarte“ Verbindungslinie führt das MKO von W.A. Mozart über Béla Bartók bis zu Bruno Maderna: Es ist die Verwendung sogenannter „Nachtmusiken“, früher als „Serenaden“ bezeichnet. Die Nacht steht für die Isolation der Finsternis, die nächtliche Serenade hingegen für ein gesellschaftliches Zeremoniell der Annäherung. Während Mozarts „Haffner“-Serenade bzw. seine daraus herausgelöste Symphonie deutlich in dieser Tradition steht, interessieren Bartók vor allem die emotionalen Zustände der Nacht: Mal aufwühlend-düster, mal sanft-beruhigend evozieren seine flirrenden Klänge Naturbilder oder Alpträume.

Auch Bruno Madernas Serenata No. 6, für eine ganz ähnliche Besetzung wie Bartóks „Musik für Saiteninstrumente“ geschrieben, spielt eher mit assoziativen Bildern und weist doch mit ihrem langen Geigensolo auf den Ursprung vieler Serenaden hin: Das Ständchen unterm Balkon der Geliebten. Dass die Dunkelheit sich aber auch mit den Trugbildern der Liebe verbündet und in die Untiefen der Selbstfindung führt, wird deutlich, wenn Alexander von Zemlinskys „Waldgespräch“ im Konzertmeister-Abonnement neben dem 2. Streichquartett seines Schülers Arnold Schönberg erklingt.
Vilde Frang, Sharon Kam, Pekka Kuusisto, Carolin Widmann, François Leleux und Steven Isserlis sind neben den Sängerinnen Gerhild Romberger, Christina Landshamer und Sarah Maria Sun Gäste in den Abonnementkonzerten. Enrico Onofri und Jonathan Stockhammer sind erstmals in der Abonnementreihe dabei. Den Einstand in der Isarphilharmonie feiert das MKO zusammen mit der Jazzrausch Bigband. Auch mit verschiedenen Aktivitäten wird das MKO im Rahmen der Kulturvermittlung im Gasteig HP8 vertreten sein.

 

 


 

 

Katrin Sass

INTERVIEW mit Katrin Sass





„Ich habe keine Angst,
in Fettnäpfchen zu treten“


Warum sie in der DDR von adidas-Klamotten lieber die Finger ließ, wie sie nun in die „Schublade von Klaus Kinski“ geriet und worauf sie am Set keine Lust mehr hat, das verrät die mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin („Good Bye Lenin!, „Weissensee“) im Gespräch.

 Interview: Aleksandra Majzlic 

 

Im zweiten Teil lesen Sie, wozu Katrin Sass 1989 der Mut fehlte und was sie heute „gruselig“ findet.. >>>



 

 

Bonnie Tyler

INTERVIEW mit Bonnie Tyler

 

„Meine Stimme ist viel kräftiger, als sie es jemals war“



Interview: Aleksandra Majzlic



Wer sie inspirierte, mit wem sie gerne ein Duett singen würde und welches das glücklichste Ereignis ihres Lebens war, diese Fragen beantwortet Bonnie Tyler im Interview.

ML: Sie sind mit Opernarien im Ohr aufgewachsen. Wie war das für Sie? 
Bonnie Tyler: Fantastisch, meine Mutter liebte Opern sehr, und sie hatte eine so wunderbare Stimme. Sie wäre viel zu schüchtern gewesen, um auf einer Bühne zu stehen, aber sie sang immer Arien, während sie die Hausarbeit machte. Und Leute standen immer vor unserem Haus und hörten ihr dabei zu. 

ML: Haben sich alle Ihre Träume bereits erfüllt? 
Bonnie Tyler: Ich denke schon. Als ich ein Mädchen war, habe ich mir alles Mögliche gewünscht, wenn ich eine Münze in einen Brunnen geworfen habe.

ML: Sind Sie abergläubisch?
Bonnie Tyler: Ja, ein wenig schon. Mir wurde als Kind immer gesagt, wenn eine schwarze Katze vor Deinen Augen vorüberläuft, bringt das Glück.

ML: Gab es einen Augenblick in Ihrem Leben, der alles veränderte? 
Bonnie Tyler: Ich hatte sehr viel Glück in den Siebzigern, als ich dem Talentscout Roger Bell aus London auffiel. Zu dieser Zeit hatte ich bereits sieben Jahre lang in einem Club in Swansea gesungen. Er kam dorthin, um sich einen Sänger anzuhören. Auf dem Weg ins Obergeschoss zum Auftritt des Sängers kam er an meiner Bühne vorbei und hörte mich singen. Er flog zurück nach London und erzählte einem Songwriter von mir und dann wurde ich nach London eingeladen, um ein paar Demobänder aufzunehmen. Das war das glücklichste Ereignis meines Lebens.

ML: Sie haben „The Best“ zwei Jahre früher aufgenommen als Tina Turner … 
Bonnie Tyler: Ja, das stimmt. Aber ich muss sagen, die Version von Tina Turner ist viel besser als meine. Sie ist eine großartige Sängerin, die mich inspirierte und die ich auch schon mehrmals traf.

ML: Es gibt ein Musical über Tina Turner. Was würden Sie von einem Musical über Bonny Tyler halten?
Bonnie Tyler: Ich glaube nicht, dass es das geben wird. Aber wow, das wäre natürlich schon was! Das wäre sicherlich ein Spaß. (lacht) Übrigens wurde mir angeboten, dass ich eine Autobiografie schreiben soll, aber daran habe ich überhaupt kein Interesse.

ML: Wie beurteilen Sie Ihre bisherige Karriere?
Bonnie Tyler: Sie war von Höhen und Tiefen geprägt. Aber das hat mich nie davon abgehalten zu arbeiten. Als ich nicht in den Charts vertreten war, hat mich das nicht gestört.
Ich startete nicht im Musikbusiness, um berühmt zu werden, sondern einfach um eine Rocksängerin zu sein. Und ich werde mich nicht zur Ruhe setzen, ich werde Shows machen, bis ich nicht mehr singen kann. Vor jeder Show telefoniere ich mit meinem Stimmtrainer. Meine Stimme ist viel kräftiger als sie es jemals war. Ich liebe, was ich tue – das ist mein Erfolgsgeheimnis. Ich müsste nicht arbeiten, aber ich mache es, weil ich es so liebe. Und ich habe das Glück, einige der größten Evergreens zu haben. Ich werde nie müde „Total Eclipse Of The Heart“, „It's A Heartache“ und „Holding Out For A Hero“ zu singen. In den Siebzigern und Achtzigern habe ich jeden Tag 36.000 Tonträger verkauft, manchmal waren es sogar mehr als 50.000, an einem Tag verkaufte ich allein 52.000 Tonträger von „Total Eclipse Of The Heart“, das war wirklich unglaublich.

ML: Was macht Ihrer Meinung nach einen Song erfolgreich? 
Bonnie Tyler:
Wenn ich singe, versuche ich das Gefühl, das in den Worten steckt zu transportieren. Ich denke, „Between The Earth And The Stars“ ist das beste Album, das ich je gemacht habe. Es sind nur neue Songs darauf – und die hauen einen einfach um. 

ML: Auf Ihrem 17. Studioalbum „Between The Earth And The Stars“ präsentieren Sie drei Duette: mit Francis Rossi von Status Quo („Someone's Rockin' Your Heart“), Rod Stewart („Battle Of The Sexes“) und Cliff Richard („Taking Control“). Gibt es weitere Duett-Wunschpartner?
Bonnie Tyler: Bryan Adams und Tom Jones.

ML: Mögen Sie es, wenn Sie von Fans angesprochen werden?
Bonnie Tyler:
Sagen wir mal so: Es stört mich nicht. Aber wenn ich beispielsweise im Restaurant sitze, den Mund voll habe und dann Leute fragen „Können wir ein Selfie machen?“, dann erwidere ich schon: „Könnt Ihr vielleicht warten, bis ich mit dem Essen fertig bin?“ (lacht)

ML: Würden Sie sich als eitel bezeichnen?
Bonnie Tyler: Oh ja, das bin ich wahrscheinlich. Meine Mutter war sehr hübsch ohne Make-up. Aber ich gehe nie ungeschminkt auf die Straße. Das war auch schon so, bevor ich bekannt wurde. Ich versuche einfach so gut wie möglich auszusehen. Und das Schminken gehört einfach zu meinem Start in den Tag: Ich dusche, ziehe mich an, trage Make-up auf – und dann bin ich „ready for the World“.

 

 

Michael Sadler

INTERVIEW mit Michael Sadler von Saga




„In der Musikbranche geht es nur noch um Geld und Ruhm “



Interview: Aleksandra Majzlic



Im Gespräch erzählt er, wie er einst einen Fan in einem Plattenladen verfolgte, wie es ihm mit musikalischen Mitteln gelang, einen Mann aus dem Koma zu holen, und welche Folgen die fehlende „Menschlichkeit“ im Musikbusiness nach sich zieht.

Im zweiten Teil lesen Sie, welcher der schrecklichste Moment in seinem Leben war, was er über Kids in Talentshows denkt und was Ruhm für ihn bedeutet. >>>

 

 

 

Hannes Jaenicke

INTERVIEW mit Hannes Jaenicke



„Auf meiner Facebook-Seite wird gelegentlich gehetzt, aber das ist völlig okay“


„Wir sind das einzige Land der Welt, in dem Gutmensch ein Schimpfwort ist“, sagt der als Gutmensch titulierte Schauspieler und Umweltaktivist im Gespräch. Zudem verrät er, von wem er Hass-Post bekam, welche „unfassbar feigen Menschen“ sich nicht vor seine Kamera wagten und wer anfällig ist für die „Nörgel- und Kritiksucht“. 


Interview: Aleksandra Majzlic

  

Hannes Jaenicke fordert im Interview ein Wildtierverbot im Zirkus, spricht über die letzte Hoffnung auf Nachkommen für die letzten drei Vertreter des Nördlichen Breitmaul-Nashorns und kündigt seine nächste Doku an, in der es um den „Schweinkram“ hierzulande geht. >>>

 

 

 

 

 

 

Bille August

INTERVIEW mit Bille August

 


„Das Leben ist fast ein Wunder“


Ob er Angst vor dem Sterben hat und an ein Weiterleben nach dem Tod glaubt und welchen Schmerz ihm einst sein Vater zufügte, darüber spricht der angesehene Regisseur („Silent Heart – Mein Leben gehört mir“) im Interview.

 

Interview: Aleksandra Majzlic

 

Im zweiten Teil erfahren Sie, inwiefern Bille August ein „reicher Mann“ ist, welche Belohnung er sich nach der Arbeit am Set wünscht und welche Filme er sich privat niemals anschaut. >>>